Keine Klischeebilder

Von unserer Fotofahrt nach Berlin hatte ich dieses mal einige Aufnahmen der Berliner Philharmonie mitgebracht. Mein Anliegen war zu zeigen, wie man auf solchen Fotoreisen leicht dazu verfällt, seine Objekte nur abzulichten und dann wieder mit einem Stapel von Klischeebildern nach Hause kommt. Ich hatte mit der Philharmonie Glück, dass ich nach dem Verlassen des Aufbahmeortes das Spiegelbild der Philharmonie in der gegenüber liegenden Fassade gesehen habe und hier dann meine wirklich von den üblichen Abbildungen abweichenden Bilder machen konnte.

Daß ich die etwas flau wirkenden Bilder in Lightroom kräftig in den Farben angepasst hatte wurde teils ablehnend und teils aber auch zustimmend kommentiert. Einige übertriebene Farbverläufe im Himmel habe ich inzwischen korrigiert. Aber die wesentliche Diskussion drehte sich wieder einmal um die Frage, ob denn bei der Architekturfotografie alle Linien exakt horizontal/vertikal ausgerichtet sein müssen. Da ich selbst lange Jahre im Großformat fotografiert habe, weiß ich natürlich um die Möglichkeiten der Korrektur bei der Aufnahme und hätte es damals sicher auch so gemacht. Heute mit unseren digitalen Fotoapparaten sehe ich das entspannter und mache das meistens nicht (bei der Aufnahme praktisch ja auch nicht möglich). Für mich ist das die heute übliche Perspektive, die auch so bleiben könnte. Andererseits hat man nun die Möglichkeiten zum Ausrichten in Lightroom und Photoshop als gleichwertige Alternative wie bei den alten Plattenkameras.

Ich habs wieder mal gemacht, um zu zeigen dass ich es (auch) kann, wenn ich denn wollte. Aber ob die Bilder damit nun besser geworden sind, ist für mich noch lange nicht eindeutig entschieden. Man erfüllt wieder mal bestimmte Erwartungshaltungen, die für mich aber nicht das Maß der Dinge sind.

 

Weitere Bilder zu diesem Thema gibt es auf meiner Homepage „meine-art-zu-sehen.de

2 Antworten auf “Keine Klischeebilder”

  1. Für mich eine wirklich starke Serie. Die Spiegelungen sind sehr vielschichtig – im wahrsten Sinne des Wortes.
    Aber auch die von dir als „Klischeebilder“ gezeigten Aufnahmen sind für meine Begriffe sehr gelungen und geben den außergewöhnlichen Spiegel-Ansichten erst einen Rahmen und Halt.
    Glückwunsch zu dieser feinen Geschichte!

    1. Man erlebt ja manchmal beim Zeigen seiner Bilder, dass irgendjemand kommentiert „war/habe ich auch schon“. Ein solches Urteil ist ja fast vernichtend. Du bist also bestenfalls der tausendste, der das nun eben auch hat. Trotzdem sind an jedem Tag, zu jeder Stunde die Lichtverhältnisse andere und auch die Ideen im Kopf des Fotografen über die gewünschte Bildidee und die Perspektiven. Ich hatte also die erste Serie von Bildern sozusagen schon im Kasten und war trotzdem unzufrieden. Das war dann letztlich der Impuls bereits im Gehen, plötzlich etwas zu sehen, so, wie es vielleicht doch noch keiner gesehen oder gemacht hat. Eben was bekanntes neu zu sehen.

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